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Technologie mit Sinn: Warum NGOs und humanitäre Organisationen strategische Technologiepartnerschaften brauchen

Technologie mit Sinn: Warum NGOs und humanitäre Organisationen strategische Technologiepartnerschaften brauchen

Marlene Zierheim
Marlene Zierheim Betrieb/Finanzen

Technologie und humanitäre Arbeit mögen auf den ersten Blick wie ein ungewöhnliches Paar wirken – doch das Potenzial an ihrer Schnittstelle ist enorm. Sozialer Wandel durch digitale Transformation ist kein abstraktes Konzept, sondern kann die schrittweise, gezielte Integration skalierbarer Technologie-Infrastruktur in Organisationen sein, die den verwundbarsten Menschen der Welt dienen.

Durch meine fünfzehnjährige Zusammenarbeit mit einer kleinen NGO in Kenia und meine Beteiligung an Xelerate von Anfang an habe ich beide Welten aus nächster Nähe erlebt.

NGOs und gesellschaftlich wirkende Institutionen stehen vor denselben Herausforderungen wie die Privatwirtschaft: wachsende operative Komplexität, steigende Compliance-Anforderungen, fragmentierte Systeme und zunehmende Erwartungen an Transparenz und Rechenschaftspflicht. Neben dem wachsenden Druck von Spendern, Regulierungsbehörden und Stakeholdern, Transparenz, Verantwortlichkeit und messbare Ergebnisse nachzuweisen, streben diese Organisationen intern auch nach der bestmöglichen Ressourcen- und Budgetzuteilung. Und sie agieren unter dieser grundlegenden Realität: Jede Ineffizienz hat einen direkten menschlichen Preis – weniger Mittel erreichen die Menschen und Projekte, die sie am dringendsten benötigen.

Technologie kann hier eine transformative Rolle spielen, insbesondere da die administrative Komplexität über Jahrzehnte hinweg erheblich gewachsen ist. Veraltete Systeme, getrennte Prozesse und manuelle Arbeitsabläufe verschlingen oft wertvolle Ressourcen, die stattdessen missionskritischen Aktivitäten zugutekommen könnten.

Da globale Herausforderungen immer komplexer werden, kann Technologie sogar zu einem der wichtigsten Wegbereiter für NGOs und Entwicklungsorganisationen werden. Wie auch in der Privatwirtschaft ist der Aufbau echter digitaler Kompetenz im eigenen Haus – anstatt dauerhaft von externen Dienstleistern abhängig zu bleiben – unverzichtbar geworden. Die eigenen Prozesse zu besitzen und die eigene Technologie an Mission und Werten auszurichten, ist keine Option mehr, sondern Notwendigkeit. Nachhaltige technologische Modernisierung erfordert langfristigen Kompetenzaufbau, starke Partnerschaften und Modelle, die operative Exzellenz mit Sinnhaftigkeit vereinen.

Zudem stehen viele NGOs bei der Modernisierung ihrer Technologielandschaft vor erheblichen strukturellen Hürden:

  • Begrenzte interne IT-Kapazitäten
  • Fragmentierte Altsysteme
  • Global verteilte Betriebsstrukturen
  • Komplexe, zweckgebundene Finanzierungsstrukturen
  • Komplexität der Spenderberichterstattung
  • Beschaffungs- und Compliance-Anforderungen
  • Wachsende Erwartungen an Transparenz und messbare Wirkung
  • Spender finanzieren in der Regel Programme, nicht Gemeinkosten – dazu zählen auch Infrastrukturinvestitionen wie robuste Finanzsysteme, Datenplattformen oder moderne ERP-Systeme

Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, hochqualifizierte Technologie-Talente zu gewinnen und zu halten.

Das führt zur zentralen Frage: Wie baut man echte digitale Kompetenz auf, ohne den Fokus auf die eigentliche Mission zu verlieren?

Strategische, zielgerichtete Technologiepartnerschaften – etwa der Aufbau eines eigenen Tech-Hubs – können hier helfen, diese Lücke zu schließen, indem sie Organisationen ermöglichen, eigene digitale Kompetenzen mit reduziertem operativem Risiko und langfristiger Eigenverantwortung aufzubauen. Dies gilt insbesondere, wenn die Partnerschaft einem Build-Operate-Transfer(BOT)-Ansatz folgt, mit dem klaren Ziel, eine nachhaltige digitale Grundlage zu schaffen, die die Organisation selbst stärkt. Jede Verbesserung der operativen Effizienz kann Ressourcen zugunsten des eigentlichen Zwecks freisetzen – etwa für humanitäre Programme, Bildung, Gesundheitsversorgung oder Entwicklungsprojekte.

Technologie als Entwicklungsfaktor: Eine Lektion aus der Praxis

Bevor wir betrachten, was eine zielgerichtete Technologiepartnerschaft operativ für NGOs leisten kann, lohnt sich ein Blick darauf, was Technologie bereits für die Gemeinschaften geleistet hat, denen NGOs dienen. Die Belege sind überzeugend – hier ein ausgewähltes Beispiel.

M-Pesa und finanzielle Inklusion

Als Safaricom 2007 M-Pesa in Kenia einführte, löste das Unternehmen offenbar ein Problem, das Banken jahrzehntelang nicht angegangen waren: Wie versorgt man Menschen ohne Bankkonto, ohne Kredithistorie und ohne festen Wohnsitz mit Finanzdienstleistungen?

Die Antwort war das Mobiltelefon. Mit M-Pesa konnten Nutzer über einfache SMS-Technologie Geld einzahlen, abheben und überweisen. <cite index="1-19">Laut Safaricoms Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2025 wickelte M-Pesa rund 37 Milliarden Transaktionen mit einem Gesamtwert von 38,29 Billionen kenianischen Schilling (etwa 253 Milliarden Euro) ab.</cite> Innerhalb weniger Jahre wurde es so zum finanziellen Rückgrat der informellen Wirtschaft Kenias.

Durch die Ermöglichung mobiler Finanztransaktionen ohne klassische Bankinfrastruktur brachte M-Pesa Millionen von Menschen, die zuvor keinen Zugang zum Bankensystem hatten, Finanzdienstleistungen. Über reine Zahlungen hinaus förderte es Kleinunternehmen, lokales Unternehmertum und eine breitere wirtschaftliche Teilhabe. Vor allem aber zeigte es: Technologie, die um die tatsächlichen Bedürfnisse unterversorgter Bevölkerungsgruppen herum entwickelt wird – anstatt aus Modellen wohlhabender Länder übernommen zu werden –, kann transformative Größenordnungen erreichen. In vielen Entwicklungsregionen digitalisiert Technologie nicht einfach bestehende Systeme. Sie ermöglicht es ganzen Sektoren, traditionelle Infrastrukturgrenzen komplett zu überspringen.

Der SAP-Moment als Beispiel für zielgerichtete Technologiepartnerschaften: Wenn Unternehmenssoftware auf soziale Mission trifft

Angesichts der bereits bestehenden infrastrukturellen Herausforderungen und der hohen Anforderungen an NGOs gibt es eine vielleicht weniger diskutierte, aber entscheidende technologische Herausforderung für alle, die mit SAP arbeiten: das Ende von SAP ECC. SAP hat 2027 als Stichtag für den regulären Support festgelegt, erweiterte Wartung ist bis 2030 verfügbar. Die Botschaft an alle ECC-Nutzer lautet: Migration zu S/4HANA – oder ein nicht mehr unterstütztes System.

Für NGOs bedeutet dieser Übergang weit mehr als ein technisches Software-Upgrade.

Es ist eine einmalige Gelegenheit, operative Modelle grundlegend zu überdenken, Prozesse zu vereinfachen und schlankere, transparentere Organisationen zu schaffen – mit dem Ziel, die Wirkung der Mission zu maximieren.

Die Migration von ECC zu S/4HANA ist nicht nur ein technisches Upgrade. Sie ist eine geschäftliche Transformation. Das vereinfachte Datenmodell von S/4HANA, die Echtzeitverarbeitung auf der In-Memory-Datenbank und die neu gestaltete Benutzeroberfläche (Fiori) stellen einen Paradigmenwechsel dar – keine schrittweise Verbesserung. Organisationen, die dies als reine „Lift-and-Shift“-Übung angehen, stellen häufig fest, dass ihre bestehenden Anpassungen – viele davon entstanden, um Anforderungen der Spenderberichterstattung oder Gegebenheiten der Länderbüros abzubilden – sich nicht ohne Weiteres übertragen lassen.

Die Chance ist jedoch real. Die Analysefähigkeiten von S/4HANA – etwa Echtzeit-Finanzberichterstattung, eingebettete KI zur Anomalieerkennung und Beschaffungsautomatisierung – bieten einen enormen Mehrwert. Die Herausforderung besteht darin, dieses Ziel zu erreichen, ohne die Mission während der Transformation zu gefährden und ohne unnötige Risiken einzugehen.

Genau hier kann eine zielgerichtete BOT-Partnerschaft strategisch wertvoll werden. Ein dediziertes Team von SAP-Experten entwickelt gemeinsam mit den Fachbereichen der NGO die Lösung, baut die Architektur auf und überträgt Know-how und Eigenverantwortung schrittweise an die Organisation. So entsteht eine NGO mit echter interner S/4HANA-Kompetenz.

Ein reales Beispiel dafür ist unser neu gegründeter Tech Hub, für den xelerate.tech mit einer der größten und angesehensten privaten deutschen NGOs für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zusammenarbeitet.

Das dedizierte Team wird eine wichtige Rolle im Transformationsprozess von SAP ECC zu S/4HANA spielen und dies als strategischen Hebel nutzen, um die digitale Transformation zu beschleunigen und hocheffiziente Verwaltungsprozesse zu ermöglichen – was letztlich die Fähigkeit der Organisation maximiert, ihre Mission zu erfüllen. Das Ziel ist klar: technologische Exzellenz nutzen, um soziale Wirkung zu verstärken.

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